Perry ist kein Cider

Wer Birnen ebenso liebt wie Äpfel, der kommt an Perry, dem Gegenstück zum traditionellen Cider, nicht vorbei. Nachdem die Birne im elften Jahrhundert nach Großbritannien gebracht wurde, erfreuen sich an der Westküste des Landes unzählige Sorten an den vorherrschenden Klimaverhältnissen.

Ähnlich wie beim Cider verwenden Hersteller auch beim Perry besondere Sorten, die sogenannten Perry Pears (Perry-Birnen). Perry-Birnen wachsen vornehmlich in den Regionen Gloucestershire, Herefordshire und Worcestershire (Three Counties), können aber auch dem Nordwesten Frankreichs, Skandinavien oder den USA entstammen. Sie enthalten typischerweise mehr Säure und Tannine als die uns bekannten Speisebirnen und sind daher praktisch ungenießbar. Auch die Sorten rühmen sich nicht gerade mit klangvollen Namen: Bloody Bastard, Stinking Bishop oder Mumblehead, um nur einige bekannte Vertreter zu nennen. Trotzdem für die Herstellung von Perry und Cider also unterschiedliche Früchte als Grundlage dienen, wird der Begriff „Pear Cider“ häufig synonym für den klassischen Perry verwendet. Wir trennen Perry und Cider nach ihrer Fruchtgrundlage: Entweder ist es ein Perry oder es ist ein Cider.

Ein süßer Hauch von Luxus

Bei Perry handelt es sich somit um fermentieren Birnensaft. Beim Übergang vom Birnensaft zum Birnenwein ergibt sich eine Besonderheit: Der Anteil an Zucker, der während der Fermentation in Alkohol umgewandelt wird, ist bei der Birne im Gegensatz zum Apfel etwas höher. Das Ergebnis: Selbst ein trockener Perry schmeckt aufgrund seines etwas höheren Restzuckergehaltes in der Regel etwas süßer als ein trockener Cider. Perry kann hinsichtlich seines Geruchs- und Geschmacksprofils sehr komplex sein und beim Genuss für einen Hauch von Luxus sorgen. Nicht selten wird ein Vergleich zum Weißwein angestellt, den ein guter Perry keinesfalls scheuen muss.

Plant Pears for your Heirs

„Pflanze Birnen für deine Erben“ – so heißt es seit mindestens 1842, denn vermutlich ist das Sprichwort noch um einige Jahre älter. Hersteller möchten damit auf den sehr aufwendigen und langwierigen Prozess hinweisen, der notwendig ist, um guten Perry herzustellen. Birnenbäume tragen erst nach sehr vielen Jahren ihre ersten Früchte, können dafür aber auch über 200 Jahre alt werden. Sie sind außerdem anfälliger für Krankheiten und verhältnismäßig groß, was die Ernte erschwert. Abhängig von der Birnensorte ergeben sich unterschiedliche Reifezeiten, begleitet von einer nur sehr kurzen Fruchtreife. Sind die Perry-Birnen reif, lassen Hersteller für die Ernte alles stehen und liegen – im Herbst sind das häufig die für den Cider benötigten Äpfel.

Perry verdient sich also zu Recht den Ruf, ein besonderes Getränk zu sein. Wer sich selbst oder seine Gäste gerne einmal überraschen möchte, der serviert zum nächsten Essen statt des üblichen Weißweins einen guten Perry.

Eine Auswahl erstklassiger Perrys findet ihr natürlich bei uns im Onlineshop der CiderKultur.


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