CiderWorld 2018 in Frankfurt am Main

Am vergangenen Sonntag war es endlich soweit: Die CiderWorld 2018 fand statt – und zwar erstmalig unter diesem Namen. Eine großartige Veranstaltung mit hohem Besucherandrang und einer gemeinsamen Leidenschaft: Apfel in flüssiger Form. Am Vortag wurden bei der Preview außerdem noch die Cider-Awards verliehen, bevor sich Jury-Mitglieder und Aussteller in Alt-Sachsenhausen zu Apfelwein und Frankfurter Häppchen getroffen haben. Wir waren an beiden Tagen von Anfang bis Ende dabei und möchten euch einen kleinen Einblick in das letzte Wochenende geben.

Aussteller laden zur Verkostung ein

Kannten wir die Internationale Apfelweinmesse (so der Name aus den vergangenen Jahren) bisher nur als Besucher, durften wir in diesem Jahr erstmals das ganze Spektakel der CiderWorld von der anderen Seite miterleben. Morgens hatten wir uns aber erst einmal mit Sean und seiner Frau Lilibet von Fetch The Drinks aus England Kaffee und Tee getroffen. Gemeinsam ging es anschließend für uns zum Gesellschaftshaus Palmengarten.

Wir erhielten unsere Tasting-Gläser und machten uns direkt auf den Weg in die obere Etage. Dort warteten schon zahlreiche Aussteller darauf, uns Fachbesuchern ihre Cider zu präsentieren. Trotzdem wir ja mittlerweile zu den Stammgästen auf der Messe zählen, gibt es immer wieder neue und spannende Cider sowie Apfelweine zu entdecken. Es war schön, alte Bekannte wieder zu treffen. Aber wir haben auch neue Leute kennengelernt.

Altbekannte und neue Gesichter

Wer sich ein wenig mit Cider und der Cider-Szene auskennt, den wird es kaum verwundern, wenn wir mit voller Stolz sagen, dass wir unter anderem Tom Oliver von Oliver’s Cider and Perry endlich persönlich treffen konnten. Er hatte uns zwar schon vor ein paar Wochen seine Teilnahme als Fachbesucher angekündigt, aber wenn er plötzlich wirklich vor einem steht, dann durchströmen einen schon leichte Glücksgefühle. Tom war das gesamte Wochenende vor Ort und wir hatten ausgiebig Zeit, um uns mit ihm zu unterhalten. Ein weiteres Highlight: Carlo Hein von Ramborn Cider hat uns Peter Mitchell vorgestellt. Ja, Peter Mitchell! Wer nicht weiß, wer Peter Mitchell ist: Er ist derjenige, bei dem (gefühlt) so ziemlich jeder Cider-Hersteller (bspw. auch Alex Culpin von Ty Gwyn Cider oder auch Allen Hogan von Hogan’s Cider) ein Seminar besucht hat – und zwar ein Seminar, wie man erfolgreich Cider herstellt. Wir haben auch Natalia von CiderExplorer aus Berlin kennengelernt. Sie betreibt seit langer Zeit einen Cider-Blog und bewertet dort nationale und internationale Produkte, die sie entweder unterwegs findet oder von Herstellern zugeschickt bekommt. Und dann war da noch Ryan Burk, der kreative Kopf bei Angry Orchard aus New York. Ein extrem sympathischer Typ, mit dem wir über beide Tage hinweg viel Spaß haben sollten.

Verleihung der Cider-Awards 2018

Genug gekostet, nun folgten die Cider-Awards zur CiderWorld 2018! Zugegeben, es herrschte anfangs einige Verwirrung, wie die Preise vergeben wurde, aber das klärte sich zum Ende hin. Mittlerweile sind die Ergebnisse der Cider-Awards 2018 online – und natürlich haben wir den einen oder anderen Goldmedaillen-Gewinner im Sortiment: Kristoffer von HORN Cider aus Dänemark, der für seinen FREJA mit 110 von 120 Punkten belohnt wurde, und Finnbarra Cider aus Irland (gleich zweimal!) mit ihrem Stonwell Cider Rós in der 2016er Limited Edition (111/120) sowie ihrem Tawny Cider (112/120). Alle Medaillen-Gewinner konnten im Anschluss ausgiebig verkostet werden.

Get Together: Der kleine Mann mit dem Blitz

Abends trafen sich Organisatoren, Jury-Mitglieder und Aussteller in der Location „Der kleine Mann mit dem Blitz“ in Alt-Sachsenhausen. Frank Winkler vom Lorsbacher Thal und Jens Becker von der Apfelweinhandlung Becker haben das Get Together organisiert, für eine erstklassige Verpflegung aus der typischen Frankfurter Küche gesorgt und uns mit ihrem eigenen Apfelweinen durch den Abend begleitet. Im Lorsbacher Thal gab es am späteren Abend noch eine Kellerführung, die wir aber leider verpasst haben, weil wir so in unsere Gespräche vertieft waren. Gegen Mitternacht war Aufbruchstimmung angesagt. Zusammen mit den letzten Verbliebenen hat sich auch die CiderKultur auf den Heimweg begeben – am nächsten Tag wollten wir schließlich schon um 8 Uhr früh auf der Matte (bzw. am Stand) stehen, um alles vorzubereiten.

Der frühe Vogel fängt den Wurm

…dachten wir uns. Pustekuchen. Kurz nach 8 Uhr morgens steht die CiderKultur am Stand mit der Nummer 32, aber sonst? Wir waren quasi alleine, abgesehen vom zugehörigen Personal, das überall rumgeflitzt ist. Die Deutschen halt wieder. Während die Iren sich wahrscheinlich noch einmal im Bett gedreht haben, lungerten wir am Stand rum und warteten darauf, dass wir unsere Deko gebracht bekommen. Das dauerte dann irgendwie etwas lang, also nahmen wir das selbst in die Hand. Und irgendwann trudelten auch die anderen Aussteller ein. Wir waren ja bereits mit allen Aufbauarbeiten fertig und haben die Zeit genutzt, um uns ein wenig umzusehen. Das erwies sich als gute Entscheidung, denn im Laufe des Tages hatten wir leider nicht mehr die Gelegenheit dazu. Pünktlich um halb elf begannen die Feierlichkeiten. Irland war das Gastland der CiderWorld 2018 und präsentierte sich bei der Eröffnungsfeier mit einem irischen Volkstanz.

Paradies für Cider- und Apfelweinliebhaber

Die ersten Besucher waren Fachbesucher, erst gegen 13 Uhr war die CiderWorld für die Öffentlichkeit zugänglich. So, und wer sich jetzt fragt, was da hinter den Kulissen passiert, dem können wir sagen: Nicht viel! Es ist nicht anders als mit den Besuchern, die erst später dazukommen. Gut, die Fachbesucher riechen etwas mehr im Glas, spülen Cider und Apfelwein auch länger im Mund herum, spucken deutlich mehr wieder aus und fachsimpeln aus beruflichen Gründen auch lieber, aber sonst? Es werden dort keine Geschäfte am Stand gemacht, aber es werden unzählige Visitenkarten ausgetauscht. Alles ganz unverbindlich natürlich. Gegen Mittag wurde es dann voller, das haben wir deutlich gemerkt.

Cider verlangt noch viel mehr Aufklärung

Wir können kaum beschreiben, wie überwältigend dieser ganze Tag war – so viele Eindrücke und vor allem so viele Menschen, die alle eine gemeinsame Leidenschaft hatten: Alles vom Apfel, es muss nur flüssig sein! Was wir gemerkt haben: Es besteht noch viel Aufklärungsbedarf, was Cider angeht. Nicht nur, worin der Unterschied zum Apfelwein liegt, sondern auch, warum ausländische Craft Cider hierzulande nicht für 1,79 Euro im Regal stehen können. Wir hatten viele Gespräche auf der CiderWorld, die sich genau um diese Themen gedreht haben. Und wir freuen uns wahnsinnig, dass wir genau solche Gespräche führen konnten, denn es zeigt, dass das Interesse auf jeden Fall besteht! Was uns außerdem noch sehr gefreut hat: Wir haben bei der CiderWorld auch ein paar Cider-Liebhaber getroffen, die wir eine Woche zuvor bei der Irish Cider Night im Grand Hotel Hessischer Hof als Pre-Opening zur CiderWeek 2018 kennengelernt haben.

Unser Cider-Tasting auf der CiderWorld

Jetzt stellt sich natürlich noch die Frage: Welche Cider hatten wir eigentlich auf der CiderWorld zur Verkostung mit und wie haben sie abgeschnitten? Folgende Cider hatten wir an dem Tag vor uns stehen:

Ganz klarer Sieger bei den Besuchern war an diesem Tag der Wild Elder Cider von Hogan’s. Wir behaupten (mal grob über den großen Daumen), 9 von 10 Besuchern hat er gut oder sehr gut gefallen. Dicht gefolgt vom Ty Gwyn Medium Cider, der aufgrund seines typisch englischen Stils als sehr natürlich empfunden wurde. Den Pear Cider von Viuda de Angelón, den Apple Cider von Orpens und den Court Royal Cider von Dunkertons würden wir hinsichtlich der Rückmeldungen als etwa gleichwertig gut einschätzen. Extrem polarisiert hatte Oliver’s Traditional Cider – aber genau das hatten wir auch erwartet und so hatten wir ihn bei der Verkostung auch angekündigt: Garstig, biestig und eine Spur von Pferdestall. Den Ur-Frankfurter konnte das allerdings nur wenig beeindrucken, hier kam oft die Assoziation mit dem bekannten Hausschoppen.

Stand abbauen und Kisten packen

So ging der Tag dann auch recht schnell vorbei. Es war nicht nur ein anstrengender Tag, sondern insgesamt ein sehr anstrengendes Wochenende. Und so musste irgendwann auch das kommen, worauf niemand wirklich Lust hatte: Stand abbauen und aufräumen. Jetzt müssen wir sagen: In der Anmeldung war explizit vermerkt, dass idealweise nur Rollups als Dekoration genutzt werden sollen. Allerdings (der eine oder andere mag es bereits bemerkt haben) können wir grafisch noch keine Akzente setzen. Was also tun? Ganz authentisch einfach Obstkisten mit zur CiderWorld nehmen (und viel zu viel Ware). War das ein Spaß am Ende… Aber wir bekamen Hilfe – natürlich von den Iren: Rubert, ein Baum von einem Mann und Vertreter von Longueville House, half uns, die Kisten und unseren restlichen Kram zu packen.

Abschiedsessen im Lorsbacher Thal

Mit Rubert haben wir uns beim späteren Abendessen die ganze Zeit unterhalten. Zum Essen können wir nur sagen: Großartig! Grüne Soße, Bratkartoffeln, Schnitzel, Haxe, Rippchen, Schneegestöber – alles, was das Herz begehrt. Frank Winkler bot auch an diesem Abend seine legendäre Kellerführung an, aber wieder waren wir in Gespräche vertieft (oder noch beim Essen). Soll aber kein Problem sein, denn die Einladung wurde ausgesprochen und Alt-Sachsenhausen ist nicht weit entfernt. Was die Location außerdem noch so besonders macht: Eine Auswahl von über 250 Apfelweinen. Wobei Frank uns sagte, dass es mittlerweile 300 sind, weil das Cider-Tasting zu den Cider-Awards am Freitag bei ihm stattgefunden hat.

Fazit zur CiderWorld 2018

Wir haben bereits viel geschrieben, daher machen wir es an dieser Stelle ganz kurz: Einmaliges Erlebnis, anders lässt sich das nicht sagen. Was wir die letzten beiden Jahre schon gesehen und erlebt haben, das hat sich auch in diesem Jahr wieder bestätigt: Es gibt da draußen so viele Menschen mit einer solch großen Leidenschaft für Cider und Apfelwein – lasst uns Kultur und Produkte gemeinsam nach vorne treiben!

Weitere Berichte zur CiderWorld 2018:

CiderExplorer: CiderWorld 2018: visit recap

Fetch The Drinks: Cider World 2018 – Frankfurt: A review by Lilibet McFetrich